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Geschrieben von: Lisa Neher   
Sonntag, den 19. Juli 2009 um 20:00 Uhr

Am Donnerstag 02.07. fanden sich etwa 60 Interessierte an der Zukunft der Universität Stuttgart zusammen, um der Einladung des AK Bildung und Prof. Dr. Michael Weingarten zu folgen und darüber zu diskutieren, wie es nach dem Bildungsstreik und der Hochphase der Proteste gegen den Masterplan weiter gehen kann.

 

 

Die erste Botschaft des Abends: Der Masterplan ist tot - es lebe der Masterplan!

Von Seiten der Rektorats wurde zwar proklamiert, dass es einen Masterplan nie gegeben habe, oder wenn doch, dann zumindest nicht so, wie wir Studierende und die mediale Öffentlichkeit diesen aufgefasst haben, oder wenn doch, dann ist er jetzt zumindest in dieser Form vom Tisch und wird in verschiedenen Kommissionen zur Umstrukturierung der Universität neu verhandelt. Diese Kommissionen haben allerdings nur beratende Funktion, werden alleine vom Rektorat bestellt, jede demokratische Einflussnahme auf den Prozess wird damit verhindert und eine studentische Vertretung ist, da Vertretung von Partikularinteressen, dort nicht vorgesehen. Worüber man sich allerdings einig sein kann, die Umstrukturierungspläne werden damit hinausgezögert - das kann eine Chance, aber auch der Tod einer Gegenbewegung sein, nämlich dann wenn wir uns sicher wähnen, uns von unseren Prüfungen und Stress des Alltags einnehmen lassen und dann unvorbereitet im neuen Semester mit einem neuen "Masterplan" überrascht werden. Doch wie wir die gewonnene Zeit im Sinne des Protests sinnvoll nutzen können, war gerade das Thema der Diskussionsrunde.

Die zweite Botschaft des Abends: Zusammenarbeit - und das am besten auf allen Ebenen.

Die Aufgaben der Verwaltung der Uni Stuttgart werden immer komplexer und darum stellen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berechtigte Forderungen nach Lohnerhöhungen. Wir sollten diese Forderungen unterstützen, aber verhindern, dass sie aus Studiengebühren finanziert werden. Genauso wie eine Zusammenarbeit mit den Angestellten der Uni wichtig ist, ist sie es mit den Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt. Unser Protest hat eine gesellschaftliche Dimension und sollte deswegen in verschiedenen Aktionsformen, künstlerischer, provokanter Art, aber auch informativ mit Vorträgen und Diskussionen in die Stadt getragen werden. Zusammenarbeit aber auch zwischen den Studierenden, und im Besonderen zwischen den beiden Arbeitskreise der FaVeVe, des AK Bildung und der Inititative Volluniversität.

Die dritte Botschaft des Abends: Gemeinsame inhaltliche Positionen erarbeiten.

Ein starker Protest braucht auch starke Positionen. Um inhaltlich voran zu kommen, wurde auf dem Treffen beschlossen, eine Veranstaltungsreihe mit unterschiedlichsten Dozenten zu organisieren. Hier können die Trends einer immer weiter vorangetriebenen Entdemokratisierung der Hochschulen, das Verhältnis von Lehre und Forschung an der heutigen Uni, usw. vorgestellt und diskutiert werden. Diese inhaltliche Arbeit und Positionierung ist wichtig, damit nicht nur die Phänomene der politischen Entwicklungen (an der Hochschule) kritisiert werden, die uns besonders in diesem Semester geradezu ins Gesicht gesprungen sind, sondern auch das Fundament, auf dem diese verortet sind, aufgedeckt und damit angegriffen werden kann.

Die vierte Botschaft des Abends: Die derzeitige Form der studentische Mitbestimmung kann in den gegebenen Strukturen unsere Interessen nicht durchsetzen.

Aus den ganzen Überlegungen hat sich faktisch ergeben, dass die studentische Mitbestimmung in der derzeitigen Form wenig Spielraum hat. Aber genau diesen müssen wir jetzt bis an seine Grenzen ausreizen. Wenn wir eine Vortragsreihe organisieren wollen, brauchen wir Geld, dieses hat die Studierendenvertretung in Stuttgart (und in ganz Süddeutschland, auf Grund der fehlenden Rechtsgrundlage für eine unabhängige Studierendenvertretung) aber leider nicht (weswegen wir wohl auch in diesem Punkt erfinderisch werden müssen). Wenn wir unseren Forderungen nach dem Erhalt einer Volluniversität, an der eigenen Uni gewichtiges Gehör verleihen wollen, müssten wir in die neuen Umstrukturierungspläne einbezogen werden. Die Studierenden, die Gruppe an der Universität, mit der größten Zahl, werden hierbei aber nicht gehört und berücksichtigt. Wir haben damit keine Möglichkeit bei den wichtigen Entscheidungen der Universität mit zu bestimmen. Stattdessen haben Gremien, wie der Unirat, der zu mehr als 50% aus Uniexternen besteht, mittlerweile die letzte Entscheidungsgewalt über Strukturentscheidungen an der Universität (s. der Artikel zum Unirat).

Diese Punkte sollten keine Grund zur Resignation sein, sondern eine Aufforderung den Protest im Wintersemester im Zeichen der Zurückeroberung studentischer Mitbestimmung fort zu setzen, denn was passiert, wenn wir nur lange genug die Augen schließen und über uns und unser Studium entscheiden lassen, statt selbst entscheiden zu dürfen, haben wir in diesem Semester eindrücklich gesehen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 20. Juli 2009 um 22:01 Uhr
 

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