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Streikzeitungs Archiv Montag - 15.06.2009 Bachelor/Master - Der Kritik erster Streich
Bachelor/Master - Der Kritik erster Streich PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: AK-Bildung   
Mittwoch, den 29. Juli 2009 um 17:26 Uhr

“Ob wir heute noch in derselben Weise sagen können, dass wir in einem Zeitalter der Aufklärung leben, ist angesichts des unbeschreiblichen Drucks, der auf die Menschen ausgeübt wird, einfach durch die Einrichtung der Welt und bereits durch die planmäßige Steuerung auch der gesamten Innensphäre durch die Kulturindustrie in einem allerweitesten Sinn sehr fragwürdig geworden.” (Adorno, 1969).

In den nächsten fünf Tagen soll diese Seite Platz dafür bieten zu den Themen des AK Bildung (BA/MA, Studiengebühren, studentische Mitbestimmung, Exzellenzinitiative) Beiträge zu veröffentlichen, die diese im gesellschaftlichen Kontext thematisieren.

Die Umstellung der Studiengänge nach dem Bologna Prozess auf das zweistufige Bachelor- und Mastersystem erfährt von fast allen Seiten Kritik. Die Kritik lässt sich wie folgt aufteilen: einmal in diejenigen, die die Umsetzung der Umstellung kritisieren und diejenigen, die das Konzept in seiner Substanz hinterfragen.

Konzentriert man sich dabei nur auf Verbesserungsvorschläge der konkreten Umgestaltung, erkennt man das Bologna-Programm bereits an.

Geht man den anderen Weg, dann zeigt vielleicht die Umstrukturierung der Studiengänge am krassesten, wie sich die Hochschule von einem Ort, in dem kritikfähige Individuen gebildet werden, entfernt.
Der erste grundsätzliche Kritikpunkt richtet sich auf die Zweistufigkeit der neuen Studiengänge. Das dreigliedrige Schulsystem ist schon seit mehr als vier Jahrzehnten in der Kritik. Mit der Studiengangsreform wird die Universität zu einer verlängerten Schulausbildung. Die Selektion, die in der Schule beginnt, setzt sich nun verstärkt dort fort.

Denn die Einführung einer Zweistufigkeit macht nur Sinn, wenn man damit auch beabsichtigt, dass der höhere Abschluss - der Master - nicht von allen erreicht werden kann. Dass das auch so ist, zeigen die Zulassungsbeschränkungen zum Masterstudium.
Die neuen Studiengänge sind aber nicht nur zweistufig, sondern auch zeitlich total reglementiert. Hier setzt der zweite Kritikpunkt an. Die Zeit wird hier zum obersten Kriterium erhoben, nach der sich dann letztendlich jeder Studierende zu richten hat. Die Studienpläne sind zeitlich und inhaltlich festgesetzt und jedes Modul wird direkt nach einem Semester abgeprüft. So wird einem die Möglichkeit versperrt, lernen als Prozess zu begreifen. Eine Persönlichkeit kann sich unter diesem Druck nicht herausbilden, sondern wird ausschließlich dadurch geformt. Beispielsweise fühlten sich 21% der Bachelorabsolventen an FU Berlin laut einer Studie durch Krankheiten und psychische Probleme beeinträchtigt, gleichzeitig ist die Abbrecherquote seit Einführung der Bachelorstudiengänge äußerst stark gestiegen. Die Universitätsstruktur - mit einem schnellen Studienabschluss und dem Druck soziale Leistungen (z.B. BaföG) zu einer gewissen Altersgrenze nicht mehr zu erhalten -  zwingt einen zu gradlinigen, standardisierten Lebensläufen.
Das Studium wird, mit der Umstellung auf BA/MA noch verstärkt, nur noch als Berufsausbildung gesehen. Die Universität wird so zur Dienstleisterin der Unternehmen, die junge AbsolventInnen,  anbietet.
Da alles nur noch unter dem Gesichtspunkt der Finanzierung gesehen wird, ist ein schnelles Studium, bei dem die Studierenden die Institution nicht länger beanspruchen, als irgendwie notwendig, sinnvoll. Doch unter gesellschaftlichen Aspekten und der Voraussetzung der Chancengleichheit muss es das höchste Ziel sein, allen Menschen die Möglichkeit zu geben sich umfassend zu bilden. Es muss daher auch die Aufgabe der Gesellschaft sein die Finanzierung der Universitäten zu sichern, um eine interessensunabhängige Bildung sicher zu stellen.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 29. Juli 2009 um 18:11 Uhr
 

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